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Drei Frauen – drei Generationen der Familie Jacob

Jacob Ilse Käthe Katharina Peter 1982
Einer der vielen gemeinsamen Familienurlaube: 1982 in Heideruh: Käthe mit ihrer Tochter Ilse und den Enkeln Peter und Katharina

Katharina „Käthe“ Jacob – Mut im Widerstand

Als Katharina Jacob am 6. März 1907 in Köln geboren wurde, konnte niemand ahnen, dass ihr Leben einmal eng mit dem Widerstand gegen den Faschismus verbunden sein würde. Sie wuchs in einer Arbeiterfamilie auf, lernte Kontoristin und kam schon als junge Frau mit der Arbeiterbewegung in Kontakt.

Sie engagierte sich in der Jugendgruppe der Gewerkschaft der Angestellten (GDA), in der Jugendgruppe Florian Geyer und beim Kommunistischen Jugendverband (KJVD). Dort lernte sie auch den Kommunisten Walter Hochmuth kennen und zog mit ihm, nach der Heirat 1927 nach Hamburg. 1928 wurde sie Mitglied der KPD. Walter Hochmuth gehörte der Partei bereits seit 1925 an und wurde 1931 in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Ebenfalls 1931 wurde ihre gemeinsame Tochter Ursel Hochmuth geboren, die später Archivarin wurde und wissenschaftlich alle zu findenden Widerstandskämpfer v. a. in Hamburg dokumentierte und damit einen unschätzbaren Beitrag gegen das Vergessen geleistet hat.

Als 1933 die Faschisten die Macht übernahmen, begann für politische Gegner eine Zeit der Verfolgung. Auch Käthe Jacob blieb nicht verschont. Weil sie sich politisch engagierte und illegal(e) Flugblätter verteilte, wurde sie verhaftet und zu einem Jahr im Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof verurteilt.

Nach ihrer Entlassung stand sie weiterhin unter Beobachtung der Gestapo. Doch einschüchtern ließ sie sich nicht. Für Käthe Jacob, für die Politik keine abstrakte Idee, sondern eine Frage von Gerechtigkeit im Alltag war, war klar: Wegsehen kommt nicht in Frage. 1938 wurde sie erneut verhaftet und mehrere Monate im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel festgehalten.

1941 heiratete sie den Hamburger Kommunisten und Widerstandskämpfer Franz Jacob, der mit anderen 1926 Heideruh gründete. Gemeinsam engagierten sie sich in einer der bedeutendsten Widerstandsgruppen Norddeutschlands – der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe. Die Gruppe versuchte, Kontakte zwischen Gegnern des Regimes zu knüpfen, Informationen zu verbreiten und Verfolgten zu helfen. Käthe Jacob übernahm dabei wichtige Aufgaben: Sie hielt Verbindungen zwischen den Mitgliedern aufrecht, überbrachte Nachrichten und Geldspenden zur Unterstützung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern sowie Kriegsgefangenen.

1942 wurde die Organisation von der Gestapo zerschlagen. Viele Mitglieder wurden verhaftet. Als Franz Jacob im Herbst 1942 untertauchen muss und nach Berlin flieht, hält sie den Kontakt zu den Kreisen in Hamburg aufrecht. 

1942 kam ihre zweite Tochter zur Welt, Ilse Jacob. Einmal gelang es, dass Franz seine Tochter im Untergrund sehen konnte. Auch mitten im Untergrund und unter den Bedingungen der Diktatur versuchte Käthe Jacob, Familie und Widerstand miteinander zu vereinbaren.

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Ilse und Katharina „Käthe“ Jacob

Im Juli 1944 werden weitere Angehörige der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe festgenommen, darunter auch Käthe Jacob. Der „Volksgerichtshof“ spricht sie aus „Mangel an Beweisen“ im September 1944 frei, während Franz Jacob zum Tode verurteilt und wenig später ermordet wird. Sie kommt in „Schutzhaft“ und wird ins KZ Ravensbrück verschleppt, wo sie bis zur Befreiung am 30. April 1945 interniert ist. 

Am 1. Mai 1945 wurde Käthe Jacob während eines Todesmarsches aus dem Lager von der Roten Armee befreit. Nach Jahren von Verfolgung, Gefängnis und Konzentrationslager begann für sie ein neues Leben.

Nach dem Krieg ließ sie sich zur Lehrerin ausbilden und arbeitete viele Jahre an einer Schule in Hamburg. Gleichzeitig blieb sie politisch aktiv und engagierte sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), der KPD und DKP. In Heideruh war sie Genossenschaftsgründerin und jahrelang die Schriftführerin. Bis ins hohe Alter erzählte sie von ihren Erfahrungen in Schulen, schrieb Erinnerungen auf und setzte sich dafür ein, dass der Widerstand gegen den Faschismus nicht vergessen wird.

Katharina Jacob starb am 23.8.1989 in Hamburg. Ihr Leben steht für den Mut vieler Frauen, die im Schatten der Geschichte Widerstand leisteten. Sie war die erste von der Stadt Hamburg anerkannte Widerstandskämpferin, in Alsterdorf erinnert der kleine Katharina-Jacob-Weg an sie.

2015 wurde David Rovics durch ihre Geschichte zu dem Song „They all sang the Internationale“ animiert, der wiederum Grund war David am 19. April zu unserer Jubiläumsveranstaltung einzuladen:

https://www.davidrovics.com/songbook/they-all-sang-the-internationale

Ilse Jacob – Erinnern und weiterkämpfen

Mitten im Krieg, 1942, kam Ilse Jacob zur Welt. Ihre ersten Lebensjahre waren geprägt von der Verfolgung ihrer Eltern und der Gewalt der faschistischen Diktatur. Ihr Vater wurde hingerichtet, ihre Mutter in ein Konzentrationslager verschleppt. Ilse und ihre Schwester Ursel überlebten nur, weil Nachbarn, Genossen und Verwandte sich um sie kümmerten.

Nach dem Krieg wuchs sie mit der Geschichte dieses Widerstands auf. Die Erfahrungen ihrer Eltern – besonders der Mut ihrer Mutter – prägten sie tief. Sie wurde ebenfalls Lehrerin.

Viele Jahrzehnte lang engagierte sie sich politisch und gesellschaftlich gegen das Vergessen der NS-Verbrechen. Sie arbeitete in antifaschistischen Organisationen wie der VVN, der Geschwister-Scholl-Jugend und Heideruh, war in Gewerkschaften und der DKP aktiv und beteiligte sich an Initiativen der Erinnerungsarbeit. So war sie Mitbegründerin der Geschwister-Scholl-Jugend 1956 und der Kinder des Widerstands in Heideruh 2014, später auch in Hamburg.

Ilse Jacob Traude Sander
Ilse Jacob und Traute Sander – sowohl Geschwister Scholl Jugend als dann fast 60 Jahre später bei den Kinder des Widerstands in Heideruh

Besonders wichtig war ihr der Kontakt zu jungen Menschen. Immer wieder sprach sie bei Veranstaltungen oder in Schulen über die Geschichte ihrer Familie und über den Widerstand gegen das NS-Regime. Legendär war sie als Referentin der 8. März-Veranstaltungen der VVN-BdA Hamburg, indem sie Lebensläufe von Frauen aus dem Widerstand im Faschismus nachzeichnete

Dabei ging es ihr nicht nur um Vergangenheit. Für Ilse Jacob war Erinnerung immer auch eine Aufgabe für die Gegenwart. Sie warnte davor, wie schnell Demokratie und Menschenrechte verloren gehen können, wenn Hass, Rassismus und autoritäres Denken wieder stärker werden.

Ilse wurde Mutter von Peter und Katharina, mit denen sie mit ihrer Schwester, ihrer Mutter und ihrem Lebensgefährten Benno viele Urlaube in Heideruh und auf der Skipiste verbrachte.

Ilse Jacob war die erste Lehrerin in Hamburg, die Opfer des Radikalenerlasses von 1972 wurde und mit Berufsverbot zeitweilig aus dem Schuldienst entlassen wurde. Sie stand sie im Fokus des Hamburger Verfassungsschutzes, etwa, weil sie zu einer Anti-NPD-Kundgebung mit aufgerufen hatte oder wegen ihrer Teilnahme an einem Bundeskongress der VVN-BdA. Einem Kind eines im Faschismus ermordeten Vaters wird vorgeworfen, sich gegen das Vergessen zu engagieren. Zynisch. Der Vorwurf, sie stünde nicht auf dem Boden der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung, empört.

Gemeinsames Anliegen der Schwestern Ursel und Ilse war die Arbeit an den Erinnerungen ihrer Mutter. Ilse veröffentlichte 2020 die autobiografischen Aufzeichnungen Katharina Jacobs „Widerstand war mir nicht in die Wiege gelegt”. Damit sorgte sie dafür, dass die Geschichte des Widerstands weitererzählt werden kann.

Ilse Jacob starb im Februar 2024 im Alter von 81 Jahren. Bis zuletzt blieb sie eine engagierte antifaschistische Stimme.

Mit ihrem Leben führte sie das Vermächtnis ihrer Eltern weiter: den Einsatz für eine Gesellschaft ohne Faschismus, für Solidarität und für das Erinnern an diejenigen, die Widerstand geleistet haben.

Katharina Jacob – Der Kampf der dritten Generation

Katharina wurde 1977 als erstes Kind von Ilse Jacob und Benno Wormbs geboren. Sie wohnten Tür an Tür mit ihrer Großmutter Käthe und ihrer Tante Ursel Hochmuth. Auch Katharina hält das Erinnern an die Geschichte ihrer Großeltern wach, z. B. erzählte sie David Rovics die Geschichte ihrer Großeltern. Heute engagiert sie sich auch nach ihrem Ortswechsel nach Norwegen in der Lesbenbewegung der BRD und layoutet jährlich das Heideruh-Programm.

Kinder des Widerstands mit Katharina und Ilse
Ilse und Katharina bei der Gründung der Kinder des Widerstands in Norddeutschland 2014 in Heideruh

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Jacob
https://www.frauen-im-widerstand-33-45.de/biografien/biografie/jacob-katharina
https://kinder-des-widerstands.de/literatur-2/katharina-jacob/
https://berufsverbote.de/tl_files/docs/MBl1-22_Berufsverbote.pdf
https://www.gedenkstaetten-hamburg.de/de/aktuelles/news/eine-kaempferische-antifaschistin-ist-gestorben-nachruf-auf-ilse-jacob-1942-2024
https://www.auschwitz-komitee.de/7784/wir-trauern-um-ilse-jacob-1942-2024/

Fotos: Archiv

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