Um was geht es hier eigentlich? Was genau feiert hier sein 100jähriges Bestehen? Oder besser: Entwicklung?
100 Jahre Heideruh – ein Jahrhundert Widerstand, Erholung und Begegnung
Im Jahr 2026 feiert die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh bei Buchholz ihr 100-jähriges Bestehen. Das muss gefeiert werden! Deshalb lädt Heideruh ein ganzes Jahr lang zu Veranstaltungen ein, die Geschichte und Gegenwart miteinander verbinden: Mit Lesungen, Konzerten und Podiumsdiskussionen über Gedenkveranstaltungen bis hin zu Ferientagen und natürlich dem traditionellen Sommerfest.
Ein Jahr Programm…
Schon der Auftakt am 1. Januar, wenn die Jubiläumsfahne auf dem Gelände gehisst wird, macht deutlich: Heideruh zeigt Flagge für seine Geschichte und für die Werte, die hier gelebt werden. Mit diesem Auftakt beginnt ein besonderes Jahr: Die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte feiert ihr hundertjähriges Bestehen. Lesungen, Konzerte, Podien, Ferienwochen und das traditionelle Sommerfest verbinden Gedenken mit Kultur und Begegnung und machen das Jubiläum zu einem lebendigen Erlebnis für die ganze Region und darüber hinaus.
Im April steht mit der Veranstaltung „100 Jahre Heideruh – eine Buchholzer Geschichte“ ein erster großer Höhepunkt an: Inés Fabig, David Rovics und Kamala Emanuel gestalten gemeinsam mit Historikerinnen, Stadtpolitiker:innen und internationalen Gästen einen Abend aus Szenen, Diskussionen und Musik.

Der Sommer bringt die Gäste dann nicht nur zu Ferienwochen und Begegnungen nach Heideruh, sondern vor allem zum großen Sommerfest(ival) Ende Juli. Mit Open Stage u.a. mit Tengu Daiko, Peter Schenzer und Cupatea, mit Tombola, Podium mit unseren Bündnispartner*innen, mit einer Filmnacht und einer besonderen Erinnerung an Esther Bejarano verbinden sich Musik, Kultur, politische Diskussionen und Gedenken.
Im August schließlich folgen Festwochen mit Musik-Acts sowie Lesungen und Begegnungen über Generationen hinweg. Und am Jahresende, beim gemeinsamen Jahreswechsel, blickt Heideruh zurück auf ein intensives Jubiläumsjahr – und voraus auf die nächsten Jahrzehnte.
Begleitend lädt die Festtags-Webseite www.100-jahre-heideruh.de das Ganze Jahr über täglich zu Entdeckungen ein: Schätze aus Gästebüchern, Gedichte, Filme und Fotoalben vermitteln die Vielfalt des Hauses über ein Jahrhundert hinweg.
… für ein Jahrhundert Geschichte

Die Wurzeln der Begegnungsstätte reichen bis in die 1920er Jahre zurück. 1926 erwarb eine Hamburger Widerstandsgruppe um Ernst Stender ein Holzhaus zwischen Seppensen und Suerhop. Für sie war es ein Ort der Erholung, zugleich aber auch ein geschützter Raum, um über Strategien gegen den aufkommenden Faschismus zu beraten. Fast alle, die damals Heideruh gründeten, wurden später verfolgt und ermordet. Nach 1945 übergab die britische Armee das Gelände an das Komitee politisch Verfolgter Hamburg, der daraus entstandenen VVN.
Im Anschluss wurde Heideruh zunächst zu einem Kinderheim der VVN und anschließend einem Erholungsheim für Überlebende der Konzentrationslager, um den traumatisierten Kindern und Familien einen Ort des Vergessens und der Erholung zu geben. Doch bereits den 1950er Jahren veränderte sich das politische Klima: Die tragendenden Organisationen – VVN, KPD, FDJ – wurden im Westen (erneut) verboten und deren Mitglieder und Anhänger verfolgt. Um dem zu entgehen, wurde beschlossen, Heideruh als selbständige Genossenschaft als „Erholungsheim Seppensen“ weiter zu führen. Etwas später erfolgte dann die Umwandlung in den Verein „Wohn- und Ferienheim Heideruh e.V.“.
Nach der Wende prägten vor allem ehemalige Verfolgte des Nazi-Regimes aus der ehemaligen DDR das Haus. Die Entdeckung Heideruhs durch die Verfolgten des Naziregimes in der DDR (VdN) sorgten für einen wirtschaftlichen Aufschwung und zu einer Modernisierung und Renovierung des Geländes. Ab den 2000er Jahren erfolgte eine stärkere Öffnung für Bildungsarbeit, die ab 2010 zu einer Neuausrichtung Heideruhs zu einem Begegnungstreff aller Generationen führte.
Ein Ort der Erinnerung und der Zukunft
Die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh hat in den vergangenen 100 Jahren viele Gesichter gezeigt. Heute ist es ein lebendiger Ort, an dem sich immer noch gut Urlaub machen und erholen lässt, wozu vor allem „die Alten“, die – leider immer weniger werdenden – Überlebenden des Naziregimes herzlich eingeladen sind. Gleichzeitig ist es ein lebendiges Bildungs- und Begegnungszentrum, in dem antifaschistische Erinnerungskultur ebenso Platz hat wie die Ausrichtung internationaler Workcamps und feministischer Jugendcamps oder das Angebot an Externe, das Gelände für Familienfeste und als Tagungsstätte zu nutzen. Das Jubiläumsjahr spiegelt diese Bandbreite.
Das Jubiläumsprogramm 2026
Hier einige Beispiele; alle Veranstaltungen und Festlichkeiten findet Ihr im Programm und im Katalog.
- 1. Januar: Hissen der Jubiläumsfahne – symbolischer Auftakt zum Jubiläumsjahr.
- 1. Januar bis 31. Dezember: Auf www.100-jahre-heideruh.de wird täglich ein „Schatz“ aus den Archiven präsentiert – Gedichte, Fotos, Interviews oder Dokumente aus Gästebüchern.
- 27. Januar: Infostand in der Empore zum Auschwitz-Gedenktag.
Die Vielfalt dieser Geschichte spiegelt sich im Festjahr wider. Die Veranstaltungen zeigen die Bandbreite von Heideruh: Gedenken, Feiern, Bildung und Begegnung gehen Hand in Hand. Hier einige Beispiele. Alle anderen findet Ihr im Programm.
Ein Ort der Erinnerung und der Zukunft
Heideruh hat in 100 Jahren viele Gesichter gezeigt: Rückzugsraum, Gedenkstätte, Bildungsstätte, Erholungsort. Heute ist es ein lebendiger Ort, an dem Jugendliche internationale Workcamps organisieren, feministische Gruppen Camps veranstalten, Geflüchtete willkommen sind und Bündnisse gegen Rechts ihre Vernetzung stärken.

So verbindet das Jubiläum die Erinnerung an den Widerstand der 1920er und 1930er Jahre mit den Herausforderungen der Gegenwart. Die Geschichte von Heideruh zeigt: Antifaschismus ist kein Kapitel der Vergangenheit, sondern bleibt eine Aufgabe für die Zukunft.