Heideruh mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet!
Gestern war ein besonderer Abend: Heideruh hat gemeinsam mit der @circusschule_die_rotznasen und dem Projekt @zumfeindgemacht der @ns_beratung den Hans-Frankenthal-Preis verliehen bekommen!
Für alle drei ausgezeichneten Preisträger*innen wurde jeweils eine Laudatio gehalten. Für Heideruh sprach unsere langjährige Heideruherin und Zeitzeugin Antje Kosemund eine ganz besondere Laudatio: Sie blickte auf 100 Jahre Heideruh zurück und würdigte damit die lange Geschichte unseres Ortes, der seit seiner Gründung ein Ort der Begegnung, des Zusammenhalts und des antifaschistischen Engagements ist. Diese Ehrung entgegennehmen zu dürfen, bedeutet uns sehr viel. Mit der Auszeichnung ist außerdem ein Preisgeld von 2.000 Euro verbunden, über das wir uns natürlich ebenfalls sehr freuen!
Der Hans-Frankenthal-Preis hat für uns eine ganz besondere Bedeutung. Denn bereits 2011 durften wir diesen Preis entgegennehmen. Mit dem damaligen Preisgeld konnten wir ein Forschungsprojekt finanzieren, durch das wir überhaupt erst herausfanden, dass Heideruh bereits 1926 gegründet wurde. Erst durch diese Forschung wurde uns bewusst, dass mit dem Jahr 2026 unser einhundertjähriges Jubiläum ansteht! Ohne diese Auszeichnung hätten wir unsere eigene Geschichte vielleicht gar nicht in dieser Form aufarbeiten und unser Jubiläum in diesem Jahr feiern können. Dass wir nun, 15 Jahre später, erneut mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet werden, schließt für uns einen ganz besonderen Kreis.
Doch wer war Hans Frankenthal eigentlich?
Hans Frankenthal wurde am 15. Juni 1926 in eine alteingesessene jüdische Familie in Schmallenberg im Sauerland geboren. 1943 wurde er gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder Ernst nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Hans und sein Bruder überlebten die Zwangsarbeit im Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz sowie die Lager Dora-Mittelbau und Theresienstadt. Nach der Befreiung kehrte Hans Frankenthal in seine Heimat zurück – und musste dort erleben, dass viele Menschen nicht über die Verbrechen der Nationalsozialisten sprechen wollten und ihm und seiner Geschichte mit Schweigen und Verdrängung begegneten.
Doch Hans Frankenthal ließ sich nicht zum Schweigen bringen. Er setzte sich unermüdlich für die Erinnerung an die ermordeten Jüdinnen und Juden, für die Anerkennung des erlittenen Unrechts und für Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter*innen ein. Er engagierte sich unter anderem im Auschwitz-Komitee und im Zentralrat der Juden in Deutschland. Mit seinem Buch „Verweigerte Rückkehr – Erfahrungen nach dem Judenmord“ hielt er seine Geschichte und seine Erfahrungen fest.

Der nach ihm benannte Preis erinnert an dieses Leben und an seinen unermüdlichen Einsatz. Er würdigt Projekte und Initiativen, die sich gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus und gegen jede Form von Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit einsetzen.
Für uns ist diese Auszeichnung deshalb mehr als ein Preis: Sie verbindet unsere eigene Geschichte mit dem Auftrag, Erinnerung lebendig zu halten und auch heute für eine solidarische, vielfältige und antifaschistische Gesellschaft einzustehen.
100 Jahre Hans Frankenthal, 100 Jahre Heideruh – zwei Geschichten, die auf unterschiedliche Weise zeigen, wie wichtig Erinnern, Widerstand und Zusammenhalt sind.
Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung und bedanken uns herzlich bei der Stiftung Auschwitz-Komitee und allen Beteiligten!
Fotos: HM und …
