Nachlese: Matinee voller Haltung, Erinnerung und Hoffnung
Mit einer eindrucksvollen musikalischen Matinee beendeten Peter Schenzer und Angela Altmann am Sonntagvormittag den künstlerischen Teil des Sommerfestes zum 100-jährigen Jubiläum von Heideruh. Unter dem Titel „Lieder gegen den Krieg und Faschismus“ nahmen uns die beiden mit auf eine bewegende Reise durch die Geschichte des antifaschistischen Widerstands, der internationalen Arbeiter*innen-, sowie der Friedens- und Solidaritätsbewegung.
Angela Altmann begleitete den Gesang mit ihrer Geige, während Peter Schenzer mit seiner außergewöhnlichen Cittern – einem vielseitigen Saiteninstrument – einen warmen und zugleich kraftvollen Klangteppich schuf. Das harmonische Zusammenspiel der beiden wurde immer wieder durch humorvolle Bemerkungen aufgelockert, etwa wenn die richtige Tonart einmal nicht ganz eindeutig abgesprochen war. Diese kleinen, selbstironischen Momente sorgten für viele Schmunzler und verliehen dem Konzert eine besondere Nähe.
Peter Schenzer und Angela Altmann beeindruckten mit ihren kenntnisreichen Einführungen zu den einzelnen Liedern, mit denen sie historische Hintergründe erläutert haben, von Menschen des Widerstands erzählten und deutlich machten, weshalb diese Lieder auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Besonders bewegend war „Shtil, di nakht iz ojsgeschternt“ („Still, die Nacht ist voller Sterne“), das zugleich eine Brücke zum Vorabend schlug. Nachdem Frauke und Gina Pietsch mit ihrer Hommage „Ein Glück heißt Akkordeon“ an Esther Bejarano erinnert hatten, erklang nun dieses jiddische Lied erneut als würdige Erinnerung an die Auschwitz-Überlebende und unermüdliche Antifaschistin. In der Kantine wurde es spürbar still.
Ebenso eindrucksvoll erklang „Sog nischt kejnmol as du gejst dem letstn weg“, die Hymne des jüdischen Widerstands, vielen in der Fassung von Zupfgeigenhansel bekannt, die deutlich macht, dass selbst unter den dunkelsten Bedingungen Hoffnung und Widerstand weiterlebten.
Mit „Es ist an der Zeit“ von Hannes Wader folgte ein eindringlicher Appell gegen Krieg und Gewalt. Die eindrucksvolle Interpretation zeigte, wie zeitlos die Botschaft dieses Liedes geblieben ist.
Einen besonderen Akzent setzte auch die deutsche Fassung von Woody Guthries „This Land Is Your Land“, die das gemeinsame Recht aller Menschen auf eine solidarische und gerechte Gesellschaft und auf ihren Anteil an dieser Welt ohne Besitzrechtdenken in den Mittelpunkt stellte.
Zum Abschluss durfte schließlich „Bella ciao“ nicht fehlen. Spätestens hier sangen alle begeistert mit und verwandelten die Kantine in einen gemeinsamen Chor – nachdem Peter Schenzer betonte, wie „frevelhaft“ er die „Konservenversion“ des Liedes findet. Das weltbekannte Lied der italienischen Partisaninnen und Partisanen bildete einen kraftvollen Schlusspunkt eines Konzerts, das Mut machte und Gemeinschaft spürbar werden ließ.
Überhaupt war das Mitsingen während der Matinee immer wieder ein besonderer Moment. Alle von uns kannten die Lieder, stimmten ein und ließen erkennen, wie sehr sie das Programm berührte. Die Verbindung aus Musik, historischen Einordnungen und persönlicher Haltung machte diese Matinee zu weit mehr als einem Konzert: Sie wurde zu einer gemeinsamen Erinnerung, einem Bekenntnis zu Frieden, Solidarität und Antifaschismus – und damit zu einem Programmpunkt, der das Jubiläumswochenende in Heideruh auf besondere Weise bereicherte.
Video: Heike