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Der heutige Baustein entsteht ganz spontan und aus eigener „Betroffenheit“. Ich komme gerade wieder von den Omas gegen Rechts. In meinem Ort Ahrensburg sind wir seit ca. zwei Jahren JEDEN Samstag auf dem Rondell (das ist ein zentraler Platz im Ort). Wenn es keine größere Veranstaltung zu bestimmten Anlässen ist, stehen wir einfach da, halten unser Schild hoch und verteilen unsere Flyer und versuchen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Was mich dabei gerade heute am meisten erschüttert hat, ist, wie die Leute vielfach auf uns reagieren. Wegsehen, einen großen Bogen um uns machen, bewusst vertieft in Gespräche. Klar, es passieren auch positive Reaktionen. Heute kam eine Radfahrerin und rief uns zu: „Danke, danke, dass ihr hier immer so tapfer steht.“ Doch auch da denke ich: Und warum stehst du nicht hier? Und frage mich: Leute, habt ihr den Schuss immer noch nicht gehört? Und so kommt es zu dem

Bildungsbaustein #3
„Wann ist es schlimm genug?“ – Engagement, Selbstwirksamkeit und der lange Moment des Zögerns

Die Frage hinter dem Zögern


Viele Menschen sehen, was passiert: der Rechtsruck, die Normalisierung rechter Sprache, die Erfolge der AfD. Und trotzdem bleiben viele still, abwartend, zurückhaltend – auch sonst politisch Engagierte. Die unausgesprochene Frage scheint zu lauten: Ist es wirklich schon so schlimm? Oder anders: Wann ist es schlimm genug, um aufzustehen?

Abwarten als Risiko


Ab März stehen zahlreiche Landtagswahlen an. Wahlen, bei denen sich entscheidet, wie viel Einfluss eine Partei bekommt, die offen gegen demokratische Grundprinzipien, Minderheitenrechte und eine pluralistische Gesellschaft arbeitet und die eigentlich verboten gehört.


Müssen erst 50 Prozent erreicht sein, bevor der Punkt gekommen ist, an dem viele sagen: Jetzt gehen wir auf die Straße – jetzt mischen wir uns ein – jetzt engagieren wir uns?!?!!

Geschichte zeigt: Demokratien werden selten plötzlich abgeschafft. Sie werden schrittweise ausgehöhlt, während viele glauben oder noch hoffen, dass es „nicht so weit kommt“.

Warum so viele ihre eigene Wirkung unterschätzen


Worum geht es hier? Gleichgültigkeit? Zu viel privates „um die Ohren“? Oder hat diese Zögern was mit fehlender Selbstwirksamkeitserfahrung zu tun. Also um die Frage, was es bringt, «allein» zu demonstrieren? Was es überhaupt (noch) bringt?
 Ich denke da an Empowerment. Empowerment bedeutet, genau diese Erfahrung zu machen: Mein Handeln zählt. Ich bin nicht allein. Es gibt andere, die dieselben Sorgen haben – und gemeinsam entsteht Wirkung.

Bewegungen wie „Omas gegen Rechts“, lokale Initiativen, Demonstrationen oder Bildungsangebote zeigen genau das: Engagement ist möglich, sichtbar und wirksam. Letztens bei einem OgR Frühstück (Omas gegen Rechts, Ahrensburg) haben wir uns als „Sand im Getriebe“ definiert.

Demokratie braucht Beteiligung – und zwar JETZT!


Demokratie ist kein Zuschauersport!! Demokratie ist kein Zustand, der sich von selbst erhält! Sie lebt davon, dass Menschen sich einmischen, bevor autoritäre Kräfte Mehrheiten erreichen. Aufstehen gegen Rechts beginnt nicht erst im Ausnahmezustand, sondern im Alltag und im jetzt: durch Präsenz, durch Teilnahme, durch klare – und GEZEIGTE – Haltung. Und durch Protest, Verweigerung und zivilen Ungehorsam.

Engagement beginnt vor der Eskalation: Was jede*r tun kann


Demokratisches Engagement beginnt nicht erst bei großen Aktionen. Jede Handlung zählt:

  • auf Demonstrationen gehen – auch, wenn man sich unsicher fühlt
  • Initiativen wie Omas gegen Rechts, autonome Zentren, linke Parteien unterstützen oder sich anschließen
  • Begegnungsstätten und demokratische Lernorte besuchen, buchen und weiterempfehlen
  • Gespräche führen, widersprechen, Haltung zeigen
  • sich informieren, vernetzen und andere ermutigen
  • durch kontinuierliche freiwillige Arbeit Initiativen gegen Rechts unterstützen.

Bezug zu Heideruh


Heideruh versteht sich als Ort, an dem genau diese Erfahrungen von Beteiligung und Selbstwirksamkeit möglich werden. Als Begegnungsstätte bietet Heideruh Raum für Austausch, politische Bildung und gemeinsames Nachdenken darüber, wie Engagement aussehen kann – jenseits von Ohnmacht und Rückzug. Hier wird erfahrbar, dass Demokratie vom Mitmachen lebt.

Vom Wissen zum Handeln zu kommen, ist ein Prozess. Aber er beginnt mit dem ersten Schritt – nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Heike (die Webseiten-Tante von Heideruh 🙂 und Teil der AG 100 Jahre Heideruh)