Bildungsbaustein: Der Internationale Frauentag
Gleichberechtigung erkämpfen, verteidigen, weiterdenken
Der Internationale Frauentag ist weit mehr als ein historischer Gedenktag. Er ist ein politischer Aktionstag! Als dieser macht er – weltweit – sichtbar, wie weit der Weg zur tatsächlichen Gleichberechtigung noch ist.
Geschichte des Internationalen Frauentags
Der („westliche“; siehe Kasten) Internationale Frauentag entstand aus der Arbeiter*innen- und Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Eine zentrale Rolle spielte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, die 1910 auf der Zweiten Internationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen einen jährlichen und weltweiten Aktionstag „Tag der Frauen“ für Frauenrechte vorschlug.
1921 war es erneut Clara Zetkin, mittlerweile Mitglied der KPD, die bei der Zweiten Internationalen Konferenz der Kommunistinnen ein einheitliches Datum für den Frauentag weltweit forderte. Aus der Konferenz ging der Beschluss hervor, dass der Internationale Weltfrauentag am 8. März stattfinden sollte.
Die frühen Forderungen waren klar:
- Wahlrecht für Frauen
- bessere Arbeitsbedingungen
- soziale Absicherung
- politische Teilhabe

Seit 1911 wird er in vielen Ländern jährlich begangen – heute ein Symbol für die anhaltende Auseinandersetzung um Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Sicherheit von Frauen und Mädchen.
Gleichberechtigung in Deutschland: Fortschritte – und große Lücken
In Deutschland hatte der Frauentag zunächst eine kurze Geschichte, denn während des Faschismus war er verboten und wurde 1934 durch den „Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter“ (Muttertag) ersetzt. Auch international verlor er zunächst in dieser Zeit an Bedeutung und wurde erst danach wieder aufgegriffen und begangen: Zunächst vor allem in sozialistischen und antifaschistischen Bewegungen (und Ländern).
Heute wird der 8. März weltweit begangen und ist sogar in einigen Ländern ein offizieller Feiertag. In Deutschland auch in den Bundesländern Berlin und Mecklenburg-Vorpommern; die anderen Bundesländer entschieden sich dagegen. Aber: was nicht ist, kann ja noch werden 🙂

In Deutschland wird – nach wie vor – am 8. März deutlich:
Rechte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, wurden erkämpft – und müssen nach wie vor verteidigt und erstritten werden. Gleichzeitig zeigt der Blick auf aktuelle Debatten, dass patriarchale Strukturen weiterhin tief in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft verankert sind. Die unglaubliche Realität ist, dass eine Gleichstellung noch lange nicht erreicht ist.
Gewalt gegen Frauen – ein anhaltendes Problem
Ein besonders erschreckender Bereich ist die Gewalt gegen Frauen. Jede dritte Frau weltweit erlebt im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Auch in Deutschland werden jedes Jahr zahlreiche Frauen Opfer von Femiziden (Mord aufgrund ihres Geschlechts). Laut aktuell verfügbaren Daten wurden mindestens 360 Frauen im Jahr 2025 in Deutschland durch Gewalt getötet, was einer Rate von fast einer Frau pro Tag entspricht. Die Tendenz zeigt eine steigende Entwicklung. Die Dunkelziffer liegt höher: Deutschland verfügt nicht über eine bundesweite, einheitliche Definition oder Statistik zu Femiziden.
BKA-Präsident Holger Münch im November 2025: „Die Zahl der Straftaten an Frauen steigt kontinuierlich. Wir sehen hier allerdings nur das Hellfeld. Gerade bei Häuslicher Gewalt, die oft hinter verschlossenen Türen geschieht, gibt es ein hohes Dunkelfeld. Erste Ergebnisse unserer aktuellen Opferbefragung LeSuBiA zeigen, dass nur ein Bruchteil der tatsächlich erlebten Gewalt zur Anzeige gebracht wird.“
Ein wichtiges internationales Instrument zum Schutz von Frauen ist die Istanbul Convention. Sie verpflichtet Staaten dazu, Gewalt gegen Frauen zu verhindern, Betroffene zu schützen und Täter konsequent zu verfolgen.
In Deutschland wird allerdings seit Jahren darüber diskutiert, wie konsequent die Vorgaben dieser Konvention tatsächlich umgesetzt werden – etwa beim Ausbau von Frauenhäusern oder bei Präventionsmaßnahmen.
Strukturelle Ungleichbehandlung
Frauen verdienen im Durchschnitt weiterhin weniger als Männer. Sie sind häufiger in Teilzeit beschäftigt, übernehmen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit und sind in Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert.
Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag beträgt aktuell 32,4 Prozent. Dies entspricht einem Rückgang von 2,4 Prozentpunkten gegenüber der vorherigen Wahlperiode und katapultiert Deutschland auf Platz 46 im weltweiten Vergleich.
Der Equal Pay Day 2026 fand am 27. Februar 2026 statt und markiert symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke in Deutschland, die laut Statistischem Bundesamt bei 16 Prozent lag (Stand: Dezember 2025). Dies bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt 58 Tage unbezahlt arbeiten müssen, um das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern zu erreichen.

Auch beim Thema körperliche Selbstbestimmung zeigt sich, dass Männer weiterhin das Sagen haben. Die Debatte um den Schwangerschaftsabbruch zeigt, dass Frauen noch immer nicht vollständig selbst über ihren Körper entscheiden können. (Der Strafrechtsparagraph Paragraph 218 stellt Schwangerschaftsabbrüche grundsätzlich unter Strafe und regelt sie nur unter bestimmten Bedingungen als straffrei.)
Ein weiterer Ausdruck patriarchaler Denkstrukturen ist, dass medizinische Forschung und Gesundheitsversorgung lange Zeit und weiterhin vor allem auf männliche Körper ausgerichtet sind. Viele Studien, Medikamententests oder Diagnoseverfahren berücksichtigen geschlechtsspezifische Unterschiede nur unzureichend – mit teilweise erheblichen Folgen für die Gesundheit von Frauen.
Was wir jetzt brauchen – ein Aufruf zum Handeln
- Ratifikation der Istanbul‑Konvention in Deutschland – Ohne diese rechtliche Basis bleibt der Schutz vor Gewalt lückenhaft.
- Abschaffung des § 218 – Eine echte Selbstbestimmung über den eigenen Körper erfordert die Abschaffung strafrechtlicher Hürden und den Ausbau freier Beratungsangebote.
- Mehr Frauen in Forschung – Klinische Studien müssen verpflichtend geschlechtsspezifisch auswerten und mindestens 50 % weibliche Teilnehmende sicherstellen, um evidenzbasierte Medizin für alle zu gewährleisten .
- Bildungs- und Aufklärungsprogramme – Schulen und Betriebe sollten Programme zu Geschlechtergerechtigkeit und Gewaltprävention integrieren, um stereotype Rollenbilder aufzubrechen.
- Festlegung einer einheitlichen Definition von Femiziden im Strafrecht und konsequente Programme, die Frauen schützen.
Frauenrechte weltweit
International ist die Situation vieler Frauen noch deutlich schwieriger. In zahlreichen Ländern sind Frauen weiterhin von politischer Teilhabe ausgeschlossen, haben eingeschränkten Zugang zu Bildung oder sind rechtlich Männern untergeordnet – und sie werden vergewaltigt und ermordet.
In einigen Staaten werden Frauenrechte derzeit auch wieder zurückgedrängt – etwa durch Einschränkungen beim Zugang zu Bildung, durch Verbote reproduktiver Gesundheitsversorgung oder durch staatliche Kontrolle über Kleidung und Lebensführung.
Der Internationale Frauentag erinnert deshalb auch daran: Frauenrechte sind Menschenrechte. Und sie sind weltweit weiterhin umkämpft.
Aber: was andere Länder bereits umgesetzt haben

Mag die Situation in vielen Ländern deutlich dramatischer sein, als in Deutschland, so es gibt auch Ländern, die um einiges weiter sind:
- Skandinavien: Schweden, Norwegen und Finnland haben die Istanbul‑Konvention vollständig implementiert und bieten kostenlose Rechtsberatung, Schutzunterkünfte und spezialisierte Polizeieinheiten für Gewaltopfer.
- Spanien hat 2021 ein Gesetz zur „Gewalt gegen Frauen“ ratifiziert, das Täter frühzeitig identifiziert und restriktive Maßnahmen gegen häusliche Gewalt vorsieht.
- Kanada hat einen nationalen Aktionsplan zur Gleichstellung von Frauen, der gezielte Förderprogramme für Frauen in Wissenschaft und Technologie beinhaltet.
Heideruh bekennt sich zum Internationalismus. Deshalb möchte ich auf einen Artikel von Morgane Llanque aufmerksam machen, auf den ich im Magazin „Good Impact“ zum internationalen Frauentag gestoßen bin. Er lautet „Suffragetten international“ und stellt heraus, dass es überall auf der Welt Kämpfer*innen für Emanzipation gibt und gab.
Der Artikel stellt hauptsächlich das Buch „Feminisms: A Global History“ von Lucy Delaps vor, das ein umfassendes Bild feministischer Bewegungen über fast drei Jahrhunderte hinweg liefert und damit, laut Llanque die gängige euro‑zentrische Erzählung in Frage stellt. Statt die Geschichte ausschließlich auf Europa und die USA zu beschränken, zeigt es, wie Frauen weltweit – von Asien über Afrika bis nach Lateinamerika – für Gleichberechtigung kämpften und eigene feministische Konzepte entwickelten und entwickeln.
Es werden einige Belege für die Vielfalt der Bewegungen vorgestellt und dafür, dass sie auch eine lange Geschichte haben.
Beispielsweise…
… die frühe Frauenrechtsaktivistinnen in Japan im späten 19./frühen 20. Jahrhundert, die Bildung und Arbeitsrechte forderten.
… die Zhenshchina‑Bewegung in den späten 1800er Jahren in Russland, die sich für Rechtsreformen und politische Teilhabe eingesetzt hat.
… die Bestrebung von Aktivistinnen wie Huda Sha’arawi in Ägypten, die 1923 den ägyptischen Frauenbund gründeten und Proteste für das Wahlrecht organisierten.
… die Reformbewegungen um Raja Ram Mohan Roy und später die All India Women’s Conference (1930er) in die Indien, die gegen Kinderehen und für Bildungszugang kämpften.
Das Buch belegt, so Morgane Llanque, dass die Emanzipationskämpfe weit über Europa und die USA hinausreichen. Die internationalen Beispiele aus Japan, Russland, Ägypten, Indien und vielen anderen Regionen zeigen, dass feministische Ideen und Aktionen stets lokal verwurzelt, aber gleichzeitig Teil eines weltweiten Dialogs waren. Delaps Werk liefere damit nicht nur eine neue Geschichtsschreibung, sondern auch wertvolle Impulse für aktuelle feministische Strategien.
Gestern haben wir bereits auf den Aktionstag zum Internationalen Frauentag hingewiesen und zu den Demos und anderen Aktionsformen aufgerufen.
Bild Frauenzeichen mit Weltkugel von geralt auf Pixabay