Fundstücke: Fiete Lass
Fundstücke in Heideruh
Eine schöne Kategorie für die 100-Jahre-Webseite, mit einem großen Haken: Wir wollen Euch ein besonderes Fundstück vorstellen und steigen in die Forschung ein und staunen über das, was wir alles finden, und schon ist es keine kleine Arbeit mehr. So ging es mir mit Fiete Lass.
Bea


Fiete Lass (Friedrich Lass)

geb. am 16. März 1898 in Hamburg und am 2. September 1978 in Hamburg verstorben.
Die Informationen über ihn sind in den lokalhistorischen Archiven u. a. durch die Geschichtswerkstatt Billstedt zu finden:
Widerstand und Überleben
Seine Reise nach Petrograd (1920) war Teil der frühen Bemühungen der Hamburger KPD, Kader in der jungen Sowjetunion politisch zu schulen. Diese „Revolutionserfahrung“ verlieh ihm innerhalb der Steinbeker Gruppe eine besondere Autorität.
Fiete war Mitglied der KPD-Basisgruppe in Hamburg-Steinbek. Steinbek (Hamburg-Billstedt) galt als eine Hochburg des kommunistischen Widerstands. Die Widerstandsgruppe Steinbek war in den 1920er Jahren besonders aktiv in der Organisation von Streiks und dem Aufbau von Proletarischen Selbstschutz-Einheiten, um auf die wachsende Gefahr durch die Nationalsozialisten zu reagieren.
Fiete Lass war ein enger Freund von Ernst Stender (1901–1943), der ein zentraler Akteur in Steinbek war und von Franz Jacob (1906–1944). Ernst Stender unterzeichnete 1926 den Kaufvertrag in Heideruh. Wir gehen davon aus, dass Fiete auch dabei war, auch weil das Fundstück in Heideruh in Ehren gehalten wurde.

Während Stender und Jacob als führende Köpfe der Hamburger KPD und des Widerstands (Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe) von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden, gehörte Lass zu jenen Aktivisten, die die Zeit der Verfolgung (unterbrochen durch Haft in Konzentrationslagern oder Gefängnissen) überlebten.
Nach 1945: Verbleib und Wirken
Er beteiligte sich am Wiederaufbau der KPD-Strukturen in Hamburg-Billstedt/Steinbek und wie viele Überlebende des Widerstands war er in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) aktiv. Er setzte sich dafür ein, dass die Opfer aus den Arbeiterstadtteilen nicht vergessen wurden.
In den 1960er und 1970er Jahren diente er Historikern und lokalen Initiativen als wichtiger Zeitzeuge. Er berichtete auch von seinen persönlichen Erlebnissen mit Ernst Thälmann, die weit über eine bloße Parteimitgliedschaft hinausgingen. Ein besonders lebhafter Teil seiner Erzählungen sollen die Besuche Thälmanns in der Lüneburger Heide ab 1926 betreffen. Lass berichtete, dass Thälmann das Haus in Seppensen als Ort schätzte, an dem er kurzzeitig dem Verfolgungsdruck in der Stadt entkommen und sich informell mit den „einfachen“ Genossen austauschen konnte. Er berichtete über die konspirative Arbeit im „Chalet“ (Haus Seppensen) und die frühen Jahre der Bewegung. Er war ein geschätzter Gast bei Veranstaltungen der Gedenkstätte Ernst Thälmann in Hamburg-Eppendorf und in Heideruh.
Tod und Gedenken (1978)
Fiete Lass verstarb am 2. September 1978 in Hamburg.
Sein Tod wurde in der regionalen Linken und in Antifaschismus-Kreisen als das Ende einer Ära wahrgenommen. Die VVN-BdA Billstedt-Horn hielt Gedenkveranstaltungen ab, bei denen sein Einsatz für die Einheit der Arbeiterbewegung und sein Überleben trotz schwerster politischer Verfolgung gewürdigt wurden. Er wurde als „unbeugsamer Antifaschist der ersten Stunde“ gewürdigt.
Wir werden dem Geschichtsverein Billstedt einen Besuch abstatten und weiterforschen.